TEE 50/51 Goethe
Das ungeliebte Kind
Am 31.5.1970 wurde eine neue TEE-Verbindung zwischen Frankfurt und Paris geschaffen. TEE 50 "Goethe" verließ Frankfurt um 7:00 Uhr und erreichte Paris um 12:54 Uhr. Zurück ging es um 17:15 Uhr mit Ankunft in Frankfurt um 23:08 Uhr. Der Zug wurde mit französischen Wagen der Bauart Mistral (siehe auch den Hinweis im Zugbegleiter) gefahren, aber mit solchen aus den Fünfzigern, und dass wollten die Menschen in den Siebzigern nicht mehr und deshalb wurde der Zug nicht angenommen. Die Auslastung war katastrophal niedrig!
Nach nur zwei Jahren wurde der Zuglauf gedreht. Tee 50 "Goethe" fuhr nun morgens um 8:00 Uhr ab Paris und war um 22:10 Uhr wieder zurück, aber auch in dieser Fahrplanlage war der Zug erfolglos, vor allem wegen des in die Jahre gekommenen Komforts des eingesetzten Wagenmaterials. Deshalb wurde der TEE "Goethe" schon im Sommer 1975 nach nur 5 Jahren wieder eingestellt und durch ein D-Zugpaar ersetzt (D256/257) aber schon wenige Jahre später gab es wieder einen TEE "Goethe" auf Deutschen Schienen....
Dieser entstammt der Sammlung von Christian Brückel.
Dieser entstammt der Sammlung von Klaus Storm.
Natürlich spiegelte sich das Thema auch in der Eisenbahnpresse wieder. So gab es nach einem Artikel im eisenbahn-magazin Januar 1975 entsprechende Leser-Reaktionen, welche nachfolgend wiedergegeben werden.
Im Trans-Europ-Expreß-Netz fahren weiterhin volle und leere Züge. Allerdings sind die beteiligten Bahnen entschlossen, nach angemessener Einführungszeit unwirtschaftliche Verbindungen wieder einzustellen, wenn der erwartete Erfolg ausbleibt.
So wird der Trans-Europ-Expreß "Goethe" bereits vom 1. Juni 1975 an aus den Fahrplänen gestrichen. Er hatte in letzter Zeit nach Angaben der Bundesbahn häufig mehr Personal "spazieren" gefahren als Reisende befördert. Trotz Einspruchs der an der Strecke Frankfurt (Main) - Paris bedienten Städte ist der mit französischen Wagen gefahrene und deshalb vielfach als nicht mehr zeitgemäß empfundene TEE dem Rotstift zum Opfer gefallen.
Eine Gnadenfrist von einem weiteren Jahr hat auf der Europäischen Reisezugfahrplankonfenrenz in Helsinki der Trans-Europ-Expreß "Prinz Eugen" erhalten, der Bremen mit Wien verbindet und auf seinem österreichischen Streckenteil meist nicht die erwünschte Besetzung aufweist.
Gut angekommen zu sein scheint dagegen der Trans-Europ-Expreß "Merkur", der im vergangenen Sommer eingeführt wurde und zwischen Stuttgart und Kopenhagen verkehrt. Er hatte als erster Dänemark mit dem TEE-Netz verbunden. Nicht nur auf der deutschen Strecke, die er im Intercity-Takt befährt, weist der "Merkur" gute Belegungszahlen auf. Auch in Dänemark steigen die Verkaufsziffern, nicht zuletzt durch den EG-Beitritt des Landes begünstigt. Der TEE legt die 1 340 Kilometer lange Strecke zwischen Stuttgart und Kopenhagen in rund 13 Stunden zurück, von denen 75 Minuten auf die Fährstrecke über die Ostsee im Zuge der Vogelfluglinie entfallen.
Der Trans-Europ-Expreß "Molière", bisher zwischen Düsseldorf und Paris eingesetzt, wird vom 1. Juni 1975 an in Köln eingesetzt und auf der Rückfahrt dort enden.
em 1/75
Warum gerade ,,Goethe"?
Unter "Gnadenfrist für Prinz Eugen'" ist zu lesen, daß TEE "Goethe" sein Leben aushaucht. Es ist meines Wissens zum ersten Mal, daß ein TEE-Zug eingestellt wird. Als Grund für die Einstellung wird mangelnde Benutzung angegeben.
Nach dem DB-Wagenreihungsplan Sommer 1974 führt TEE 50/51 (Goethe) planmäßig vier SNCF-TEE-Wagen, zuzüglich Speisewagen. Nach der gleichen Ausgabe des DB-Reihungsplans führt der TEE 42/43 (Diamant), Köln - Brüssel, drei DB-TEE-Wagen einschließlich AR, TEE 34/35 (Merkur) zwischen Kopenhagen und Hamburg sogar nur zwei DB-TEE-Abteilwagen, TEE 66/67 (Bavaria), München - Zürich, führt neben SBB-WR ebenfalls nur zwei DB-TEE-Wagen.
Diese genannten TEE-Züge haben also ein zum Teil viel geringeres Platzangebot; die Anzahl der Reisenden wird ebenfalls nicht über die des TEE Goethe liegen. Was sind wohl die wahren Gründe der Einstellung?
Alexander Kraemer, Berlin, em 3/75
"Warum gerade Goethe"?
"Was sind die wahren Gründe?" - Diese Frage von Herrn Kraemer macht wieder einmal deutlich, welche Geheimnisse manche Eisenbahnfreunde in offensichtliche Tatsachen und die daraus gezogenen Schlußfolgerungen hineinzulegen versuchen. Der "wahre Grund" ist ganz schlicht die absolut (nicht nur relativ im Verhältnis zur Wagenzahl) zu geringe Besetzung auf dem deutschen Streckenabschnitt, die durchaus schlechter ist als bei den von Kraemer angeführten Vergleichs-TEE. Die DB hatte bereits seit mehreren Jahren (nachdem auch der Wechsel in eine andere zeitliche Lage keine wesentlich bessere Frequentierung erbracht hatte) bei der SNCF darauf gedrängt, das Zugpaar ausfallen zu lassen. Diese allerdings hatte bisher nicht darauf anbeißen wollen, weil TEE Goethe zwischen Metz und Paris gut besetzt war. Sie hat sich aber 1974 den berechtigten wirtschaftlichen Gründen der DB nicht länger verschließen können, insbesondere da mit D 258//259, beide ab 1. 6. 1975 in eine etwas günstigere Zeitlage gebracht und beschleunigt, Tagesrand-Parallelverbindungen zur Verfügung stehen.
Freunde der Eisenbahn e.V. Hellmut Wichers, Hamburg, em 5/75








