Auch die Presse weiß über uns, und vor allem unser Mitglied Wolfgang, Gutes zu berichten.

Wolfgang Stock beherbergt fünfzigtausend Zugbegleiter
Dellwig ist Wiege eines Fahrplansammlervereins

Ein schneller Spurt vom Bahnsteig in den Zug. Das begehrte Stück vom Sitz geschnappt und wieder hinaus, bevor die Lok anfährt. Es handelt sich hierbei aber nicht etwa um Taschendiebe, sondern um Fahrplansammler. Sie haben sich den kleinen Heftchen verschrieben, aus denen Zugreisende ersehen können, wann sie ihren Zielbahnhof erreichen. Und sie sind sogar in einem Verein organisiert.

"Die Keimzelle des Fahrplan-Sammlervereins war 1987 in Dellwig", berichtet Vereinsgründer Wolfgang Stock. Doch im Gegensatz zu den Zugsprintern handelt der Verein nicht etwa egoistisch. Seine Mitglieder versuchen, möglichst viele Fahrplanblätter vor der Vernichtung zu bewahren. „Ihr Zugbegleiter“ hießen die Heftchen früher, heute zirkulieren sie als „Ihr Reiseplan“.

"Seit Anfang 2000 haben wir ein Fahrplanarchiv im Bahnhof Oberhausen Hbf, wo rund 500000 Fahrplanblätter gelagert sind. Außerdem hat jeder noch sein eigenes Archiv – mein persönliches umfasst derzeit etwa 50000 verschiedene Exemplare", erzählt der 55-jährige gebürtige Dellwiger, der heute in Düsseldorf lebt.

Zudem treffen sich die 40 Mitglieder des Fahrplansammlervereins einmal im Monat in dem Oberhausener Archiv, um die Fahrpläne zu sortieren, zu archivieren und die eigenen Bestände zu komplettieren. Interessierte Gäste sind stets willkommen! Allerdings sind Anmeldungen unter der Adresse fernzuege@aol.com erwünscht.

"Geeignete Kandidaten für das Fahrplansammeln sind vor allem Leute mit nostalgischer Ader und ausgeprägter Sympathie für das Verkehrsmittel Eisenbahn", verrät Wolfgang Stock, der im Zivilberuf als Chemie-Ingenieur tätig ist.
Doch viele Fahrplansammler sind allein dadurch zu ihrer Leidenschaft gelangt, dass sie benützte Fahrpläne als Reiseandenken mitgenommen und beiseitegelegt haben - denn was sammelt der Mensch nicht alles.

Aus der wahllosen Sammelwut wird nicht selten ein ernsthaftes Interesse am Verkehrswesen ganz allgemein, die dann manchmal sogar in Begeisterung an der Entdeckung der dahinterstehenden Geschichten mündet.

Den Schritt zur Organisation des Sammlerhobbys im Verein hält Wolfgang Stock für die einzig mögliche Konsequenz, denn "das Sammeln war für den Einzelnen recht kostspielig und zeitraubend", erzählt Wolfgang Stock. Kein Wunder, denn man müsste schon ziemlich oft mit dem Zug reisen, um all die heißbegehrten Begleitblätter zu besitzen.

Borbecker Nachrichten vom 28. Februar 2002

50 000 Zug-Begleiter in zwei Zimmern
Von Mechthild Henneke


Am Wochenende trafen sich Männer mit ungewöhnlichem Hobby: Sie sammeln Reisepläne. Einmal im Leben ist der Bochumer voll auf Risiko gegangen: Er fuhr um fünf Uhr früh zum Kölner Hauptbahnhof und startete einen Beutezug. Den ganzen Tag sprangen ein Freund und er in jeden erreichbaren Fernzug und schnappten sich Reisepläne, Zug-Begleiter, Fahr-Planer. Rund 70 Stück ergatterten sie bis zum Abend. Darauf ist Jörg Griese, 33, stolz. Und darauf, dass er nicht ein Mal vom Zug mitgenommen wurde. "Die halten nur kurz. Da muss man fix sein."

Am Sonnabend sitzt Griese im S-Bahn-Museum in Griebnitzsee. Es ist das Jahrestreffen der Reiseplan-Sammler. Vor 13 Jahren hat Wolfgang Stock die "Internationale Interessengemeinschaft der Ihr-Zug-Begleiter-Fahrplansammler" gegründet. In dem Museum ist ein langer Tisch aufgebaut, auf dem sich Hunderte Faltblätter türmen: IC 300 Markgräfler Land, IR 2232 Mare Balticum, IC 711 Ludwig Uhland liegen bereit zum Tausch.

Ein Dutzend Männer sitzen um den Tisch und blättern in Schnellheftern, in denen sie notiert haben, welche Pläne sie haben, welche fehlen. Uwe Krieg hat ein paar Lücken füllen können. Der 37-Jährige aus Schorndorf bei Stuttgart sammelt seit 19 Jahren. Mit Fotos fing er an, später kamen Reisepläne dazu. Krieg wäre gern Lokomotivführer geworden, wie auch Griese, doch bei beiden waren die Augen zu schlecht. So wurde Griese Sandstrahler und Krieg Fachverkäufer in einem Sportgeschäft. Für die Züge blieb die Freizeit. Mehrere Tausend Zug-Begleiter hat Krieg zusammen. Frau oder Kinder hat er keine. "Wohl wegen der zu starken Konzentration auf das Hobby", sagt er. Doch mit den Reiseplänen hofft er, trotzdem der Nachwelt etwas zu hinterlassen. "Nehmen wir die Werbeloks, die die Bahn bei den ICEs einsetzt. Das kann morgen vorbei sein. Dann sind die Reisepläne und die Fotos historisch."

Krieg hat nicht einmal Unrecht: Die Deutsche Bahn hat seit zwei Jahren kein eigenes Archiv mehr. "Als die Fahrplan-Zentrale von Mainz nach Frankfurt kam, wurde das Bahn-Archiv vernichtet", sagt Wolfgang Stock. Inzwischen stellt die Bahn bei ihm Anfragen nach alten Fahrplänen. Eine halbe Millionen von ihnen hat die Interessengemeinschaft in ihrem Archiv. Einmal monatlich sortieren die Sammler in Oberhausen den Bestand.

Stock ist Deutschlands größter Fahrplansammler. Er allein hat 50 000 Stück zusammen, die er in zwei Zimmern untergebracht hat. Der 54-jährige Chemie-Ingenieur aus Düsseldorf sammelt seit 42 Jahren und nennt seine Leidenschaft ein "Randhobby". "Erst wird man müde belächelt, doch jetzt bringen mir alle Bekannten Fahrpläne mit." Sein Traum wäre es, quer durch Australien zu fahren mit dem "Indian Pacific"-Zug. Aus finanziellen Gründen kann er ihn sich noch nicht erfüllen. Den Fahrplan hat er schon.

Quelle: Berliner Zeitung, 16.10.2000